Von Female Empowerment zu Bundeskanzler Talk. Wie man Communities skaliert

Case Study: Community Scaling – TOC

Reichweite ist ein lauter Wert.

Relevanz ist ein leiser.

Als wir begonnen haben, mit Tijan Onaran zu arbeiten, war sie bereits sichtbar. Höhle-der-Löwen-Investorin, Bestseller-Autorin, gefragte Speakerin, über 100.000 Follower auf Instagram, eine der prägendsten Stimmen auf LinkedIn. Ihre Community war stark, engagiert, überwiegend weiblich und karriereorientiert.

Doch Sichtbarkeit allein ist kein Endpunkt. Sie ist Ausgangsmaterial.

Die eigentliche Frage lautete:

Wie entwickelt man eine bestehende Reichweite zu einer diversifizierten, segmentierten, strategisch wirksamen Community – ohne die eigene Basis zu verlieren?

Denn Reichweite kann homogenisieren.

Führung braucht Differenzierung.

Die strategische Verschiebung

Tijan stand an einem Punkt, an dem ein natürlicher Reifungsprozess einsetzte. Weg von der reinen Sichtbarkeit, hin zu inhaltlicher Schärfe. Weg vom Influencer-Dasein, hin zu ernsthaften gesellschaftlichen und politischen Gesprächen.

Das bedeutete nicht, ihre bestehende Community aufzugeben. Es bedeutete, sie zu erweitern.

Neben jungen, ambitionierten Frauen sollten künftig auch Entscheider, Führungspersönlichkeiten, Männer in Schlüsselpositionen und politische Akteure erreicht werden. Menschen, die nicht nur Inspiration suchen, sondern Verantwortung tragen.

Community Scaling heißt in diesem Kontext nicht: größer werden.

Es heißt: relevanter werden – für mehr Ebenen der Gesellschaft.

Architektur statt Aktionismus

Wir haben die Community nicht neu erfunden.

Wir haben sie strukturiert.

Für die bestehende Zielgruppe entwickelten wir Formate, die weiterhin Empowerment und konkrete Werkzeuge boten: Eine Deutschlandtour mit Workshop-Formaten rund um Kommunikation, Karriere und Sichtbarkeit. Persönliche Begegnungen, Nähe, Austausch.

Parallel öffneten wir einen neuen Strang: den „Mut der Deutschland“-Podcast. Ein Format, das Tijan wieder stärker im politischen Diskurs positionierte. Längere Gespräche. Tiefere Themen. Mehr Substanz. Weniger Kampagne, mehr Haltung.

Gleichzeitig veränderte sich der Content auf LinkedIn und Instagram. Weniger Kollaborationen, weniger Werbeformate. Mehr Einordnung, mehr Perspektive, mehr Meinung. Die Tonalität wurde klarer, ernsthafter, zugespitzter. Engagement entstand nicht mehr nur durch Inspiration, sondern durch Diskurs.

Man konnte beobachten, wie sich das Publikum verschob.

Nicht abrupt.

Sondern organisch.

Segmentierung als Wachstumshebel

Ein entscheidender Punkt war die ehrliche Analyse der Zahlungsbereitschaft und der Interessenstruktur innerhalb der Community.

Die bestehende Zielgruppe – junge Frauen am Anfang oder in der Mitte ihrer Karriere – reagierte stark auf niedrigschwellige Formate, Austausch, Motivation.

Die neue Zielgruppe – erfahrene Führungspersönlichkeiten, Entscheider, politische Akteure – suchte Exklusivität, Tiefe, strategischen Austausch auf Augenhöhe.

Beides gleichzeitig zu bedienen, ohne Verwässerung, erforderte klare Segmentierung.

So entstanden kuratierte Formate wie „Seat at the Table“, zunächst stark weiblich geprägt, später erweitert. Daraus entwickelte sich ein größerer Rahmen: der Mut Award, der den bisherigen Female Leadership Award ablöste.

Die inhaltliche Öffnung war bewusst gewählt. Mut wurde zur verbindenden Klammer. Mut im Business. Mut in der Politik. Mut im gesellschaftlichen Impact. Kategorien, die Unternehmen und Einzelpersonen einschlossen, Frauen und Männer, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.

Damit verschob sich die Wahrnehmung von einer stark weiblich konnotierten Leadership-Marke hin zu einer Plattform für mutige Entscheider in Deutschland.

Rund um den Award entstanden Workshop-Formate, exklusive Circles und ein Thought Leadership Circle für ein mutiges Deutschland – Räume, in denen sich die neue Zielgruppe begegnen konnte, ohne die alte auszuschließen.

Der Effekt

Der Podcast entwickelte sich über mehrere Staffeln hinweg zu einem stabilen Ankerformat. Die inhaltliche Tiefe stärkte Tijans Position im politischen Diskurs.

Die Awardshow wurde zum gesellschaftlichen Signal.

Die Workshops wurden zum Instrument der Segmentierung.

LinkedIn wurde zur Bühne für Einordnung statt Inszenierung.

Was sich veränderte, war weniger die Reichweite als die Wahrnehmung.

Tijan wurde nicht mehr primär als Influencerin gelesen.

Sondern als Stimme mit Haltung.

Und genau hier liegt der Kern von Community Scaling:

Es geht nicht nur darum, mehr Menschen zu erreichen.

Es geht darum, die richtigen Räume für unterschiedliche Gruppen zu schaffen – und dabei eine klare inhaltliche Linie zu halten.

Der eigentliche Shift

Vorher war die Community stark, aber relativ homogen.

Nachher war sie vielschichtiger, politischer, diskursiver.

Vorher dominierte Inspiration.

Heute stehen Haltung und Führung im Mittelpunkt.

Die ursprüngliche Zielgruppe blieb.

Die neue kam hinzu.

Und aus Reichweite wurde Struktur.

Community ist kein Publikum.

Sie ist Architektur.

Wer sie bewusst segmentiert, schafft Räume, in denen unterschiedliche Menschen andocken können, ohne dass die Marke ihre Identität verliert. Genau das ist hier gelungen.

Und vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis:

Skalierung bedeutet nicht Lautstärke.

Sie bedeutet Tiefe auf mehreren Ebenen gleichzeitig.

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